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Gunkls Tip des Tages (Archiv)

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Tips für Mai 2016

01.05.2016:
Ich habe Ihnen am 26. Des Vormonats einen Blödsinn angedient; die Komposition 3:44 ist kein Orchesterwerk, sondern, wie mich der aufmerksame Leser Philipp Emanuel Dollfuss aufmerksam gemacht hat, ein Stück für Klavier. Also, operativ isses irgendwie schon ein bisserl wurscht, ob da jetzt ein Klavier nicht gespielt wird oder ein Orchester nicht spielt, aber gerade in Bereichen, in denen nicht das Offensichtliche die Notwendigkeiten ohnehin unausweichlich erzwingt, sondern der Mensch als Gestalter den Rahmen des Vollzogenen selbst erstellt, muß man besonders sauber sein. Heben Sie ein leeres Glas aber in aller Andacht auf Philipp Emanuel Dollfuss.

02.05.2016:
Besprechen sie mit Ihrem Lieblingsmathematiker, ob es eine Zahl - von mir aus, aber da können Sie sich jeden anderen Buchstaben aussuchen - p gibt, für die gilt: Pi hoch p ist eine ganze Zahl.

03.05.2016:
Wenn Sie das gestrige Problem ein bißchen aufwändiger gestalten wollen, dann können Sie für p verlangen, daß es auch eine ganze Zahl sein muß. Davon gibt es ja genug, vielleicht paßt ja eine.

04.05.2016:
Wenn Sie alltägliche Verrichtungen wie zum Beispiel Kochen und deren Notwendigkeiten wie dabei den Herd einschalten mit ein bißchen Gepränge versehen wollen, dann können Sie ja nur so für sich die Notwendigkeiten kanonisieren. Bringt vermutlich praktisch gar nix, aber als Thema einer Diskussion mit dem Tanztherapeuten, wenn man gerade ein bißchen hufschwach ist, und nicht so wirklich herumhüpfen will, ist das allemal tauglich.

05.05.2016:
Ein Netzwerk ist verfügbar. Na schau.

06.05.2016:
Bitte sehen Sie mir die zurecht unterstellbare Flapsigkeit, die die gestrige Anmerkung atmet, nach; ich versuche herauszufinden, ob die Freude an den kleinen Dingen, wenn sie themengerecht klein gehalten wird, ein ästhetisches Ganzes bildet, das, indem Form und Inhalt einander entsprechen, über sich selbst erzählenswert hinausragt. Nein, tut es nicht. Gut, dann wissen wir das.

07.05.2016:
Überlegen Sie, ob Sie eine Wissenschaft erfinden wollen, die ähnlich der Philosophie, die die Befunde der Physik deutet, mit den Hervorbringnissen der Geometrie umgeht. Wenn Sie das gerade nicht tun wollen, machen Sie sich sonstwie einen feinen Tag.

08.05.2016:
Besprechen Sie mit einem Philodendron, wenn Sie gerade keinen zur Hand haben, mit einem Philosophen, aber die reden halt gern zurück, ob es für oder eher gegen die Zuverlässigkeit philosophischer Befunde spricht, daß die Philosophie zwar über alle anderen Bereiche menschlicher Erkenntnis von außen etwas zu sagen hat, also eine artfremde und somit auch eher vermutbar unvoreingenommene Position hat, aber über die Philosophie sich nur etwas von innen sagen läßt.

09.05.2016:
Hat man ein Kind, dann gleich: Rawumms!, hört man hunderte „Warum“s.

10.05.2016:
Um erfolgreich zu sein, muß eine Idee nicht richtig sein; sie muß nur erfolgreich sein, und dafür sind andere Kriterien ausschlaggebend.

11.05.2016:
Um die gestrige Anmerkung ein wenig griffiger darzustellen, sei festgestellt, daß die Idee, das Verhalten von Materie auf den Grundlagen der Quantenphysik zu beschreiben, richtig ist, aber wenig erfolgreich; dem geht kaum jemand nach und beschäftigt sich damit so sehr, daß er es wirklich versteht. Andererseits ist die Idee, alles, was man nicht verstanden hat, als Quanten-… haltirgendwas darzustellen, so, als wäre Quantenphysik etwas, wo alles reingeschmissen werden darf, wofür man grad zu faul ist, eine konsistente Erklärung zu finden, diese Idee ist komplett falsch, aber sehr erfolgreich.

12.05.2016:
Ein Gleichdick als Rollunterlage funktioniert nur mit einer ungeraden Anzahl von Ecken. Das liest sich jetzt holpriger, als es in der Realwelt ist, stimmt aber.

13.05.2016:
Da ein Gleichdick als Rollunterlage nur mit einer ungeraden Anzahl von Ecken ein solches ist, dann hat ein Kreis möglicherweise zwar unendlich viele Ecken, aber das ist eine ungerade Zahl. Naja, das sollten Sie nur im Kreise von Menschen besprechen, die eine erhebliche Elongationsbereitschaft für Abseitigkeiten haben.

14.05.2016:
Vermutlich bin ich nicht der erste, dem auffällt, daß Menschen, die sich in den sozialen Medien besonders umtriebig gebärden und dort betulich dauernd Scheinkontakte pflegen, für herkömmliche Gespräche kaum noch zu haben sind.

15.05.2016:
Besprechen Sie mit einem Sozio- (und das dürfen Sie sich dann aussuchen), ob das gestern hier dargestellte Phänomen lediglich die Anzeige von etwas grundsätzlich Vorliegendem ist, oder das Resultat seiner eigenen Ermöglichung.

16.05.2016:
Wenn Sie im gestrigen Gespräch zu dem Schluß gekommen sind, daß das vorgestern hier beschriebene Phänomen das Resultat seiner eigenen Ermöglichung ist, dann fassen Sie die darin beobachtbare Dynamik in quantifizierbare Kennzahlen und gründen Sie einen Lehrstuhl für nichtlineare Logik.

17.05.2016:
Essen Sie Obst. So, das kann man immer wieder einmal sagen, ohne dabei echt tief ins Unbotmäßige zu taumeln. Heut mach ich es mir einfach. Vergönnen Sie mir das.

18.05.2016:
Versuchen Sie, irgendjemandem einzureden, daß die Japaner, wenn sie sich selbst begrüßen „Nichiwa!“ sagen und erst, wenn sie jemand anderen begrüßen, die Mehrpersonengrußformel „Konichiwa!“ benützen.

19.05.2016:
Heute, also vom Zeitpunkt des Lesens aus isses schon ein bisserl her, jedenfalls ist mir etwas Bemerkenswertes passiert; ein Netzwerk ist verfügbar. Das ist ja soweit auf kleiner Flamme zu feiern. Und da muß man sich anmelden. Auch das reißt noch keine Löcher in stabile Weltbilder. So, und jetzt kommt’s: Man muß sich anmelden, ich muß das aber nicht. Ich komm einfach so ins Netz, ohne einen mehrstelligen Code eingeben zu müssen. Einfach so. Wahnsinn! Also, ich find’s toll! Das wollte ich Ihnen nur sagen, weil ich Sie über Bocksbeinereien des Internets, derer ich gewahr werde, ja auch umfassend in Kenntnis setze. Ein guter Tag!

20.05.2016:
Überlegen Sie, ob Sie in der Philosophie ein paar neue Kriterien einführen wollen. Wenn ja, dann hab ich morgen einen Vorschlag, worum es dabei gehen könnte. Wenn nicht, rufen Sie Michi an.

21.05.2016:
Man könnte die Ontologie in verschiedenen Abstufungen verhandeln; Dinge, die sind, weil sie eben sind. Und Dinge, die sind, weil sie wahrgenommen werden. Und dazwischen Dinge, die nicht wahrgenommen werden müssen, um zu sein, aber durch eine voraussichtliche Nichtwahrnehmung auch nicht sind.

22.05.2016:
Als Veranschaulichung der gestern hier vorgeschlagenen Einteilung der Ontologie seien hier als Beispiel angeführt ein Türstaffel, an dem man sich eine Zehe bricht, weil er per eigener Existenz eben ist, der Schmerz, der nur besteht, weil er auch wahrgenommen wird, und der Bericht dieses Ereignisses, der wiewohl formuliert werden kann, ohne, daß es dafür einen Adressaten gibt, aber nur dann auch wirklich wird, wenn Aussicht besteht, daß er wahrgenommen wird.

23.05.2016:
Besprechen Sie mit einem Physiker und einem Historiker, ob, wenn sich die Welt bei jeder Entscheidung, die fällt, in verschiedene Welten aufteilt, in der diese Welt dann der jeweiligen Entscheidung nach verläuft, und die andere Möglichkeit und deren Konsequenzen unbeachtet bleiben, ob dann jede dieser Welten nicht nur unzählige sozusagen Nachkommen hat, sondern auch möglicherweise sehr viele Vorfahren, weil ja verschiedene Entscheidungen durchaus zum selben Resultat führen können.

24.05.2016:
Wenn Sie die gestrige Feststellung in kleinem Rahmen literarisch überprüfen wollen, dann können Sie ja einen Roman schreiben, der lediglich aus drei einander jeweils gegenseitig ummantelnden Rahmenhandlungen besteht.

25.05.2016:
Wer brachialkalaustrisch abenteuerlustig ist, kann einen Weckruf in phrygisch komponieren.

26.05.2016:
Wer gerade nix Wichtigeres zu tun hat, kann überprüfen, ob die Menschen, deren Lieblingszahl ungerade ist, darüber hinaus noch ein paar Eigenschaften teilen. Gegenprobe nicht vergessen.

27.05.2016:
Es ist schon irgendwie seltsam, daß Offenbarungen, jedenfalls deren Inhalt, nur für den, der sie empfängt, offenbar sind.

28.05.2016:
Angeblich ist das Lächeln der Mona Lisa nur deshalb so geheimnisvoll, weil sie anders als alle Menschen, die lächeln, ihren Kopf völlig senkrecht hält.

29.05.2016:
Wenn man das Wort „aufwänden“ mit „ä“ zu schreiben hat, weil es von „Aufwand“ kommt, dann sollte man „einsätzen“ wenigstens auch so schreiben dürfen, wenn nicht sogar sollen. Ist aber nicht so. Sprache halt. Schwer.