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Gunkls Tip des Tages (Archiv)

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Tips für August 2018

01.08.2018:
Das ist jetzt sicher eine sehr schmale, durch keinerlei globale Beobachtungen gestützte, persönliche Einschätzung, aber mir kommt jedenfalls vor, daß es zwei neuzeitliche, durchaus effektive Formen des Regentanzes gibt: Sowohl Open-Air-Veranstaltungen als auch (für lokale, kurze Regengüsse) Autowaschen sind wirksame Methoden, zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort verläßlich Regen herbeizurufen.

02.08.2018:
Eingedenk der gestrigen Anmerkung habe ich doch ernsthaft erwogen, mir ein Huhn oder ein anderes stoffwechselbegabtes Wesen zuzulegen, das auf die Motorhaube meines Autos kackt, mit dem ich dann justament eben gerade nicht in eine Waschstraße fahren würde, um Schönwetter zu gewährleisten.

03.08.2018:
Ich war ja heuer wieder Schmieden. Wenn man die in den jeweiligen Arbeitsgängen aufgewendete Zeit als Bezeichnung für das Tun zugrunde legt, muß man sagen: ich war Schleifen; Feuer, Amboß und martialische Hammerschwingereien sind in drei, vielleicht vier Tagen erledigt, und den Rest der Zeit ist man damit beschäftigt, zuerst den Zunder abzuschaben und dann in sehr, sehr langwierigen Routinen unter Verschleiß von Quadratmetern grob- bis feinstkörnigen Schleifpapiers und anderen Abrasiva das Werkstück in immer feiner definierte Form zu bringen. Sehr unmartialisch, aber nötig.

04.08.2018:
Beim Schleifen des von mir Geschmiedeten (ein Damastmesser, wenn das interessiert) habe ich eine feine Beobachtung angestellt; man verfällt dabei nicht, und wenn man dem schon beigegeben hat, dann entsagt man sicherlich sehr schnell animistischem Denken. Die Seele in den Dingen. Also, wenn man eine Seite schön geschliffen und poliert hat, dann muß doch die andere Seite das schon wissen, gelernt haben und sich leichter schleifen und polieren lassen, weil die sich schon darauf freut, auch so schön zu sein wie die erste Seite. Mhm. Nein, gar nicht. In den Dingen wohnt nix außer den Eigenschaften, die sie sowieso haben. Das Material wehrt sich auch nicht. Das ist nur halt hart. Klar, Stahl. Und was man muß, muß man. Wenn man das spiegelblank haben will, dann muß man das vier Tage lang schleifen und polieren. Ich mach das ja auch schon jeden Sommer seit ein paar Jahren und mir ist das eben Beschriebene auch bekannt, aber ich finde das jedes Mal schön und beruhigend, daß es Bereiche gibt, in denen mit Wollen und Verlangen nix zu erreichen ist. Machen. Dann wird’s.

05.08.2018:
Wer will, kann die Menschen einteilen in solche, mit denen man weniger und solche, mit denen man mehr als fünf Minuten darüber reden kann, in wie viele Stunden wir den Tag einteilen würden, wenn wir zwölf statt nur zehn Finger hätten.

06.08.2018:
Ich fühle mich im Einklang mit der Welt; ich habe nämlich etwas Bemerkenswertes bemerkt. Gestern habe ich ja, wie ich annehme eher einsam, darüber nachgedacht, in wie viele Stunden wir den Tag einteilen würden, wenn wir nicht zehn sondern zwölf Finger hätten. Im Betreiben dieser solitären Erwägungen habe ich eben bemerkt, daß die Franzosen im Zuge der nämlichen Revolution das metrische System inklusive der Normung des Liters festgesetzt haben, was insgesamt auf dem Dezimalsystem fußt. Nun haben aber gerade die Franzosen bis tief in ihre Sprache das Vigesimalsystem, das die Zahl zwanzig als Basis hat, als Grundlage der numerischen Erfassung der Welt. Also, daß wir nicht in Zwanzigereinheiten sondern in Zehnerpackerln rechnen, finde ich bemerkenswert.

07.08.2018:
Bei besonders schnell schwimmenden Fischen, wie dem Marlin, dem Fächerfisch oder dem Thunfisch ist die Schwanzflosse zwar, wenn der Fisch Bauch unten schwimmt, recht hoch, aber ziemlich schmal. Das bedeutet, daß die für den Vortrieb wirksame Fläche kleiner ist, als es bei einer breiten Schwanzflosse der Fall wäre, und der angeströmte Querschnitt wird durch die Höhe der Schwanzflosse vergrößert. Also, mit einer Schwanzflosse (ich weiß, Wortwiederholung, fällt mir ja auch auf, aber „Caudale“ kann man ja auch nur ein Mal verwenden, und trägt auch nicht wirklich zur Klarheit bei), die nicht ganz so hoch, dafür aber breiter (in Schwimmrichtung also länger) ist, wäre so ein Fisch doch vermutlich schneller. Besprechen Sie mit einem Ichtyologen und einem Hydrodynamiker, ob die unterschiedlichen Geschwindigkeiten des Wassers entlang der Breite einer breiten Schwanzflosse, die durch ihre Bewegung das umströmende Medium ja beschleunigt, zu Verwirbelungen eben an der Schwanzflosse führt, was dann mehr bremst, als ein geringerer Querschnitt an Vorteilen brächte. Kann ja sein.

08.08.2018:
Ich habe das Folgende wahrscheinlich hier schon einmal festgestellt, aber man muß die Wissenschaft immer wieder fordern. Wir Menschen haben ja im Lauf der Jahrhunderte wirklich schon ein paar echt pfiffige Sachen entwickelt und ins Sein gestellt; von der Pflugschar bis zum Kernspintomographen. Das hat es ja eine Zeit lang nicht gegeben, dann hat ein schlauer Kopf oder ein begabtes Team sich hingesetzt, und nachgedacht, wie man sowas Feines, Praktisches herstellen könnte. Dazu erst einmal Gratulation von meiner Seite. Aber was noch immer nicht erfunden worden ist, ist Suppe, die nicht zu heiß serviert wird, zumal man als Gast doch wohl eher, wiewohl beides bereits ebenfalls erfunden ist, ein Feuerzeug als ein Kühlaggregat eingesteckt hat.

09.08.2018:
Wer sowas wissen will, kann eruieren, ob in der englischsprachigen Literatur jemals eine haarige Kerze als Schüttelreim auf zerbrechliches Gut verwendet worden sind.

10.08.2018:
Man spaltet mit Kung Fu Zellen wohl eher nur aus Zufällen.

11.08.2018:
Wer Grillfeste nicht besonders mag, aber eingeladen worden ist, und von dort möglichst schnell und ohne großes Wehklagen der anderen Gäste über seinen Abgang wieder verschwinden möchte, kann in einem ruhigen Augenblick lauthals vortragen, daß Gastronomie die Wissenschaft ist, die sich damit befaßt, den Magen zu benennen. Wenn die anderen Gäste auch nur ein bißchen Achtung vor Sprache als Kulturtechnik haben, sollte das klappen.

12.08.2018:
Manche Menschen haben ja Lieblingszahlen. Und einige davon können ihre Wahl auch bestimmt begründen. Besprechen Sie mit einem Numerologen, ob, wenn man diese Begründung aufschreibt, und jedem Buchstaben darin einen Zahlenwert zumißt, ob sich da dann was Interessantes ableiten läßt.

13.08.2018:
Wenn Sie gerade einen Numerologen in Rufweite haben, aber im Augenblick nicht wissen, womit sie ihn berufen sollen, können Sie mit ihm ein kleines Experiment machen; Sie schreiben alle Telephonnummern, die Sie im Handy gespeichert haben, auf einen oder mehrere Zettel und zählen, wie oft jede Ziffer in dieser Ansammlung von Zahlen vorkommt. Dann bilden Sie von jeder Telephonnummer die Quersumme und zählen die Ziffern in dieser Liste von Quersummen, und überprüfen, ob sich das Verhältnis der Häufigkeit der Ziffern zueinander ändert. Dazu brauchen Sie natürlich keinen Numerlologen, aber so wirkt es pseudowissenschaftlicher.

14.08.2018:
Weil gerade Sommerloch ist, denke ich darüber nach, ob es Topologie auch für vierdimensionale Objekte gibt. Sommerloch halt.

15.08.2018:
Vielleicht war es eine Kaltphase, die mich dem Sommerloch kurz entrissen und mich in herkömmliche Denkgefilde geschubst hat, jedenfalls ist mir zum gestern hier Angemerkten eingefallen, daß vor geraumer Zeit Henri Poincare sich mit Derlei befaßt hat. Also Entwarnung an alle, die sich mir in einer saisonbedingten apallischen Polonaise nach Düdelühausen aufmachen wollten; dort waren schon andere vor uns, und haben das Land ernsthaft beackert.

16.08.2018:
Mein Rechtschreibeprogramm akzeptiert das Wort „zeit“ auch klein geschrieben. (Tatsächlich: schon wieder) Ich will mir nicht vorstellen, daß mein elektronischer Orthographiewart auch gerade Sommerloch hat, und sich denkt, daß das Wort „zeit“ als Zeitwort gesehen und somit klein geschrieben werden darf.