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Gunkls Tip des Tages (Archiv)

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Tips für August 2019

01.08.2019:
Ich weiß nicht mit wem, aber es gibt sicher jemanden, mit dem man besprechen kann, daß es bemerkenswert ist, daß Wollen um so viel höher und wichtiger und tiefergehend und ernsthafter und betrachtenswerter eingeschätzt wird als Mögen, wenn man bedenkt, daß man nur das wollen kann, was man nicht hat und nur das mögen kann, was man hat. So als wäre das, was man will, weil man es eben nicht hat, bedeutender und wichtiger als das dereinst Gewollte und jüngst auch Erreichte und somit nur noch Gemochte.

02.08.2019:
Vielleicht kann man eine Art von eventuell notwendigerweise nichtrotationssymmetrischer Glocke konstruieren, die außer einem ersten „Pock“ beim Anschlagen keine Klänge oder auch nur Geräusche von sich gibt, weil die Form bedingt, daß sich in der Struktur einander destruktiv überlagernde stehende Wellen ausbilden, die die Glocke, sobald sie zu schwingen beginnt, augenblicklich silenzieren. Ich glaub ehrlich nicht, daß das schon irgendwann jemand probiert hat. Ich muß allerdings auch einräumen, daß mir echt kein Grund einfällt, warum man das sollte.

03.08.2019:
Wenn man mit einer Vortragsreihe zum Thema „Orakelwerfen mit gebrauchten Bremsbelägen“ mehr als hundert Anmeldungen erzielt, dann darf man sich Sorgen um das Gewicht von Vernunft in unserem derzeitigen Leben machen. Kann man aber auch insgesamt bleiben lassen, und hoffen, was man anders befürchten darf.

04.08.2019:
Anläßlich von fünfzig Jahren Mondlandung hätten die Außerirdischen wenigstens ein „Naja, immerhin.“ von sich hören lassen können. Eingebildetes Pack!

05.08.2019:
Der Raum, also, wenigstens der Raum, der uns umgibt, hat drei Dimensionen. Die Zeit ist die vierte Dimension. In den drei Raumdimensionen können wir uns prima vor- und zurückbewegen. In der Zeit nicht. Insoferne kann man - darf man aber wahrscheinlich nicht - sagen, daß die Zeit lediglich eine Monomension ist. Da unsere Bewegung durch die Zeit von uns aber nicht einmal soweit steuerbar ist, daß wir die uns von der Natur aufgenötigte Bewegung wiewohl nicht umkehren, so doch zumindest aufhalten können (Zeitdilatation und so, jaja, ich weiß, aber Zeitstillstand durch Erreichen der Lichtgeschwindigkeit ist für Ruhemassebehaftetes eben nicht möglich), wir bewegen uns also unumkehrbar und sogar aufhaltbar durch die Zeit, und vor diesem Hintergrund müßte die Zeit für uns operativ Semimension genannt werden können. Für Dürfen seh ich weiterhin keine physikalisch-nomenklatureske Chance.

06.08.2019:
Da die Zeit entgegen meiner gestern hier vorgebrachten Erwägungen immer noch als vollwertige Dimension gilt (was die Physik natürlich jedes Recht hat, festzulegen), und Parkettierung auch dann vollwertig ist, wenn sie lediglich zwei Dimensionen einer Fläche bespielt und nicht der Raum füllen muß, kann man sich ja eine Parkettierung überlegen, die lediglich Länge und Zeit mit gleichen, aus diesen Dimensionen gefertigten Kacheln fugenlos bedeckt.

07.08.2019:
Nur, weil grad Sommerloch ist, biete ich Ihnen als imagineske Dehnübung an, sich vorzustellen, was im Gegensatz zu Dioptrien denn Trioptrien bewirken könnten.

08.08.2019:
Wer was wirklich Pfiffiges erfinden will, kann eine Entsprechung einer Büroklammer für Gegenstände mit deutlich mehr räumlicher Ausdehnung, als sie Papier aufweist, entwickeln.

09.08.2019:
Denken und Fühlen wird ja gern einmal als Gegensatzpaar betrachtet, wobei das Fühlen im Weichen, Esoterisch-Nichtnachweisbaren verortet wird, das Denken dagegen als kalt, hart und unnachgiebig soseinsbezogen gilt und sehr wenig Spielraum für nachweisbar Nichtvorhandenes geschweige denn Unmögliches läßt. Ich habe mir dereinst Infrarot-Heizpanele angeschafft, die eben Wärme abgeben sollten. Tun sie aber nicht. Gar nicht. Wenn man da den Placeboeffekt als Wirkgrundlage und daher Geschäftsmodell vermutet, in dem Sinne, daß das Wissen um die Anwesenheit einer Heizung ihren Benutzer bereits thermisch befriedigt, dann müssen Fühlen und Denken ihr angestammtes Terrain im Gemüt verlassen und Platz tauschen; da gibt es keine gefühlte Wärme. Was ich fühle, ist, daß es halt nicht warm ist. Die Wärme, die es da einfach nicht gibt, die muß ich mir, wenn ich sie empfinden will, denken.

10.08.2019:
Ich freue mich gerade sehr darüber, daß ich nicht beauftragt bin, in Werken der Deutschen Hochromantik nach Balladen zu suchen, in denen ein Spannzangenfutter eine wesentliche Rolle spielt. Man kann sich auch über kleine Dinge freuen. Man muß halt nur ein bisserl suchen.

11.08.2019:
Die gestern hier beschriebene Freude hat heute einen sanften Auslauf in spröde Interessanz erfahren, indem ich mich dabei ertappt habe, mir aufforderungsfrei auszumalen, wie eine - darf man annehmen solitäre, ohne ein Anderes, was sprachlich durch die Abwesenheit eines „Co“ signalisiert wird - Rioliskraft funktionieren müßte.

12.08.2019:
Unwichtige Auflistungen sind Bagatabellen. Vermutlich nicht, könnten aber sein.

13.08.2019:
Es gibt tatsächlich kleine, charmante Kompositionen, die sich unter dem Gattungsbegriff „Bagatelle“ einordnen. Also, die Kompositionen selbst tun das nicht, das wird ihnen angetan, aber sie wehren sich nicht dagegen. Wer mag, kann mit Musikwissenschaftern besprechen, ob es auch musikalische Aphorismen gibt.

14.08.2019:
Es gibt tatsächlich musikalische Palindrome, also Melodien, die vorwärts und rückwärts gespielt gleich sind. So gesehen sind alle Zwölftonkompositionen, wenn man die Tonlängen einmal außer Acht läßt, musikalische Anagramme von einander.

15.08.2019:
Sollte sich bei einem zeitlich naheliegenden Grillfest unter Ihrer Anwesenheit eine kleine Plaudereiplegie ergeben, dann können Sie das erlahmte Gespräch eventuell mit der Mitteilung, daß der Ostpazifische Delfin das Tier mit den meisten Zähnen ist, wieder auf die Hufe bringen.

16.08.2019:
Wenn das gestern hier Vorgeschlagene die Konversation nicht dauerhaft in Fluß bringt, dann können Sie in die Ihnen möglicherweise entgegenschwappende ratlose Stille, die Feststellung gießen, daß, wenn man denkwasserscheu ist, und nur Landtiere als Tiere ernst nimmt, der Rekord im Viele-Zähne-Haben dem Gürteltier zufällt. Ab dann müssen Sie selbst sehen, wie Sie weitermachen.

17.08.2019:
Nur, weil es mich dann auch selbst interessiert hat (wobei dieses „auch“ eine sehr großzügige Unterstellung an die Abseitigkeit der Interessenslandschaft meiner Zeitgenossen ist), drängte sich mir die Überlegung auf, daß die Frage, welches Tier die meisten Zähne hat, auf jeden Fall unter Berücksichtigung der Zeitkomponente betrachtet werden muß. Indem der Grönlandhai als Hai ein Revolvergebiß hat, also die jeweils aktuell ohnehin zahlreich vorhandenen Zähne im Laufe des Lebens immer wieder erneuert werden und der Grönlandhai ein Alter von mindestens zwei- eher sogar vierhundert Jahren erreicht, ist die Zahl der Zähne, die über das gesamte Leben gerechnet, ein Eishai als seine betrachten darf, da sicher am höchsten. Wie gesagt abseitig, ich weiß, aber der Vollständigkeit halber unbedingt erwähnenswert.

18.08.2019:
„Innocent“ heißt „unschuldig“, „nocent“ als ein durch das Fehlen der vorgeflanschten negativierenden Vorsilbe aber unzutreffenderweise vermutbares Gegenteil heißt „verletzt“. Wenn man Sprache, zumal Latein ernst nimmt, heißt das, es gäbe nur durch mutwillige autoaggressive schuldhafte Selbstverstümmelungen beigefügte Verletzungen, und das wäre dann aber auch gleich die einzige Art von Schuld, die ein Mensch auf sich laden könnte. Vielleicht seh ich das auch ein bisserl eng.

19.08.2019:
Der Hund, wenn ich beim Wirt steh, bellt, doch hab ich grad ein Bier bestellt. Jetzt steht es da in vollen Krügen, doch muß ich mich dem Grollen fügen. Der Hund braucht seinen Auslauf, wodurch ich’s später lau sauf. Ein echter Tierfreund.

20.08.2019:
Wenn man weiß wie, dann kann man aus Bor und Stickstoff etwas echt Hartes, Hitzefestes machen. Chemie halt. Wenn man nicht weiß wie, dann kann man nicht. Auch Chemie. Manchmal ist minus mal minus lebensweltlich nachvollziehbar plus.

21.08.2019:
Primzahlen haben nur zwei ganzzahlige Teiler; eins und sich selbst. Vier ist keine Primzahl und hat also mehr als zwei ganzzahlige Teiler; schon einmal eins und sich selbst, und dann zwei. Zwei aber zwei Mal. Da kann man sich fragen, ob das jetzt drei oder vier Teiler sind, also, ob das eine Zwei als Teiler ein anderes Zwei ist wie das, womit es multipliziert wird, um vier zu erhalten, oder ob die beiden Zwei als eines gelten. Kann man sich fragen. Oder jemand anderen.

22.08.2019:
Unter juristischen Gesichtspunkten sind nur Tiere, die einem anderen Tier unter Gewaltandrohung oder -anwendung deren Futter abnötigen, Raubtiere. Wer selbst tötet, was er frißt, ist ein Jäger. Biologische Taxonomie und Humanjurisprudenz sind nicht gut vereinbar. Hat aber insgesamt mit Naturgesetzen nix zu tun.