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Gunkls Tip des Tages (Archiv)

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Tips für Juli 2019

01.07.2019:
Es lobt hier jeder Depp den Skinner, beim Frühstück und beim Captainís Dinner - Behavioristenkreuzfahrt.

02.07.2019:
Wenn die Sache mit Markt, Preis, Angebot und Nachfrage und dem richtigen Zeitpunkt stimmt, dann ist es vielleicht sinnvoll, in den nächsten Wochen in Streugutbehälter und Glühweingewürz zu investieren.

03.07.2019:
Es gibt ja Dinge, Ereignisse und sonstige Phänomene, von denen man Kenntnis erlangt und sie dementsprechend kognitiv verhandelt. Merken ist etwas anderes als Denken. Beim Merken versucht man, das, worum es dabei geht, so unverändert wie nur möglich einzuschlichten, um es gegebenenfalls ebenso unbehandelt wieder abrufen zu können. Beim Denken wird das, was man dabei am Schirm hat, deutlich mehr behandelt, als es beim Merken geschieht. Das, worüber gedacht wird, wird zur Disposition gestellt, und möglicherweise auch als Ergebnis des darüber Denkens anders gewichtet. Nun sind aber Dinge, die merkwürdig sind, in unserem Sprachgebrauch durchaus so beschaffen, daß ihnen eine Veränderung gut anstünde, Dinge die denkwürdig sind, sollten aber exakt so und unverändert stehen bleiben. Sprache halt.

04.07.2019:
Offenbar habe ich heuer die vier Stunden, die in der öffentlichen Einschätzung zwischen dem Gejammere über die Kälte und dem Gestöhne über die Hitze liegen, verpaßt. Schade.

05.07.2019:
Erfinden Sie eine Rechenvorschrift, die sich durch Anwendung verändert. Wenn es sowas schon gibt, können Sie ja ersatzweise Polopferde züchten.

06.07.2019:
Wer abseitige Herausforderungen sucht, kann versuchen, traditionelle Flächenmaße rechtswirksam umzubenennen.

07.07.2019:
Wenn man die Pläne von allen Golfplätzen Europas maßstabsgleich übereinanderlegt, dann kann man aus der Anordnung der Löcher vielleicht geheime Botschaften lesen. Vielleicht auch nicht. Einfach ausprobieren.

08.07.2019:
Anstatt mit sieben Siegeln könnte man ein Buch durch zwei einander gegenüberliegende Rücken auch ganz gut unlesbar machen. Ich weiß jetzt zwar echt nicht, wozu das gut sein soll, aber mit sieben Siegeln wird das ja nicht ergiebiger.

09.07.2019:
Vielleicht ist es sinnvoll, einen Mehrbereichsschminkstift zu erfinden, mit dem man sich gleichermaßen die Lippen und die Augenlider bemalen kann. Das würde den entsprechenden Aufbewahrungslagern Platz schaffen.

10.07.2019:
Im angelsächsischen Raum sind Zimmermannsbleistifte so gestaltet, daß sie im Querschnitt ein halbes Zoll breit und eine viertel Zoll hoch sind. Pfiffig.

11.07.2019:
Wenn Sie einen Kurs für kreatives Schreiben leiten und Sie gerade kein Thema haben, das Sie Ihren Studenten aufbürden wollen, dann können Sie ja anregen, eine Geschichte zu schreiben, die wie eine dreistimmige Fuge funktioniert; drei im Grunde gleiche Ereignisabfolgen, die jeweils in einem anderen Milieu zeitversetzt ablaufen, aber natürlich so, daß sie die meiste Zeit der Geschichte gleichzeitig, nur eben zeitversetzt passieren, wobei die Unterschiede zwischen den Milieus ebenso gleich zu sein haben, wie die zeitlichen Unterschiede des Beginns der jeweiligen Handlungen, und diese drei Handlungen sollen einander sinnvoll ergänzen. Das muß kein Roman werden, Kurzgeschichte reicht. Dreißig Seiten.

12.07.2019:
Beim Rhababer sind die Blätter giftig, die Stiele hingegen sind, soferne man den Geschmack - wozu es aber schon eine besondere Vorliebe braucht - genießen kann, genießbar. Also, man kann sie grundsätzlich essen, ohne mit erheblichen Ausfällen wesentlicher Körperfunktionen rechnen zu müssen. Bei den allermeisten Pflanzen, die man so ißt, sind die Stengel für den Verzehr komplett ungeeignet. Wer mag, kann hinter dem Umstand, daß der Essende schon beim Geschmack des Stieles von Rhababerblättern darauf hingewiesen wird, daß das zumindest Vorsicht geboten ist, darauf schließen, daß ein weiser Schöpfungsplan es gut mit uns meint. Andererseits kann man auch sagen, daß ein Schöpfungsplan, der uns unterstellt, wir würden bei Pflanzen zuerst einmal den Stengel essen, uns - offenbar zurecht, aber nicht weniger beleidigend - für bescheuert hält.

13.07.2019:
Wer mag, kann recherchieren, wie viele verschiedene Schachderivate schon ernsthaft gespielt worden sind; also mehr als eine einzige Juxpartie, sondern schon wenigstens ein Turnier unter veränderten Bedingungen in einem Schachklub. Ich denke dabei an zum Beispiel vergrößerte Spielfelder mit zehn mal zehn Feldern, die Bauern in der Grundstellung in der zweiten Reihe, keine Türme, stattdessen jeweils vier Springer, drei Spieler, die wie bei einem sogenannten Ringerl im Tischtennis das Feld umkreisen und dergleichen mehr.

14.07.2019:
Wenn tatsächlich der Wahn sprachlich zugrunde liegt, dann ist eine Erwähnung nicht das, was sie etymologisch sauber hergeleitet sein müßte.

15.07.2019:
Vor dem Hintergrund, daß jeder Mensch schon einmal mehr als nur ein Mal schläft, und die Zustände, in denen dieser Mensch sich dabei befindet, von Nacht zu Nacht durchaus unterschiedlich sein können, und es ja auch mehr als nur einen Menschen gibt, wobei sich die Zustände innerhalb einer Nacht während des Schlafens zwischen diesen Menschen unterscheiden, zwei Menschen also schon einmal nicht ein und den selben Schlaf haben, ist es bemerkenswert, daß Schlaf keine Mehrzahl hat.

16.07.2019:
Das gestern hier Angemerkte kann auch auf andere Phänomene hinüberlegt werden; Hunger gibt es sprachlich ja auch nur einen. Wenn das so in der Erlebniswirklichkeit zuträfe, wär das mit Diäten eigentlich eine glatte Sache. Einmal essen, den einen Hunger, den es gibt, wegnaschen, und ab dann isses Juhu. Naja, wie gesagt, Sprache und Welt sind nicht immer kongruent.

17.07.2019:
Nur, weil es mir gerade auch noch eingefallen ist: daß Zorn keine Mehrzahl hat, zeigt, daß das Thema offenbar so unangenehm ist, daß es als ein einziger monolithischer Block ins Pfui gestellt wird und somit nicht eingehender betrachtet werden muß. Ich schätze, Psychotherapeuten hätten da gern eine Mehrzahl von Zorn, damit man auf die Klienten spezifischer eingehen kann.

18.07.2019:
Noch so eine sprachliche Seltsamkeit: oft gebietet es der Anstand, Abstand zu halten.

19.07.2019:
Irgendwie ist die Tilde als mathematisches Symbol onomatographisch.

20.07.2019:
Ich bin ja kein Esoteriker, und insoferne kann es mir ja auch herzlich wurscht sein, aber mir ist - fragen Sie mich nicht, wie ich drauf gekommen bin - etwas aufgefallen: Es gibt keinen offiziellen Schutzpatron für Kleinanleger. Vor dem Hintergrund, daß Drüsenkrankheiten am Hals tatsächlich einen eigenen - nämlich einen anderen als Drüsenkrankheiten einfach so - Schutzpatron haben, scheint mir so gar keiner für Kleinanleger ein bisserl dürftig.

21.07.2019:
Wenn man zugrunde legt, was Verstehen ist, dann kann man sich ja, nur so, für lustig, überlegen, was für ein hermeneutischer Akt mit Versitzen oder Verliegen vollbracht wird.

22.07.2019:
Wer ein bisserl Pessimismus betreiben will, kann sich ja mit dem Umstand befassen, daß in der Fernsehwerbung, die sich ja im Grunde an Menschen wendet, die zu viel Geld haben, an das der Werbetreibende kommen will, neuerdings immer häufiger und penetranter Kreditangebote und derlei zu sehen sind, die sich an eine offenbar erhebliche Anzahl von Menschen wenden, die zu wenig Geld haben.

23.07.2019:
Der rechte Winkel ist ja unter den Winkeln etwas Besonderes. Der Sechziggradwinkel auch. Also nicht so sehr, wie der rechte Winkel aber halt schon. Es gibt sicher ein paar Winkel, die sich von anderen, beliebigen Winkeln abheben. Wer mag, kann eine Reihung der Besonderheit von Winkeln erstellen, und sich dann überlegen, ob diese Reihung sich in Nichteuklidischer Geometrie so aufrechterhalten läßt.