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01.02.2010:
Neulich ist angeblich wieder jemand gesprungen. Weit. Oder hoch. Gut jedenfalls, soweit ich das mitbekommen habe. Sport halt.
02.02.2010:
Besprechen Sie mit dem Philologen Ihres Vertrauens, ob ein völlig mißlungener Anfang, der alles, was angepeilt und möglich war, zerniert, eher ein Verginn oder ein Zerginn ist.
03.02.2010:
Ich habe mir für Sie ein paar Knobeleien für die langen Winterabende ausgedacht. Zur Einstimmung können Sie versuchen, Ihre Knie abzuzählen, ohne die Finger als Zählhilfe zu nehmen. Morgen wird’s ein bissi kniffliger.
04.02.2010:
Denken Sie sich ein System mit bestimmten Regeln. Dann denken Sie sich ein System, mit dem Sie das erste System betrachten, sozusagen eine Metaebene. In dieser Metaebene gelten die selben Regeln wie in dem betrachteten System, allerdings ohne damit Kontakt zu haben. Dann denken Sie sich ein System, mit dem Sie dieses Arrangement betrachten. Eine Metametaebene. Auch hier gilt, was für die Metaebene gilt. Überlegen Sie, wenn Sie das fortführen, ob dann die Anzahl möglicher richtiger Aussagen in der jeweiligen Ebene mit dem Grad ihrer Übergeordnetheit zunimmt, abnimmt oder gleichbleibt, oder ob man das nicht so einfach sagen kann.
05.02.2010:
Wenn man bei einem Dodekaeder die fünfeckigen Flächen auf Kreise reduziert, sodaß diese Kreise einander an jeweils einem Punkt berühren, ergibt sich ein Gebilde, das besser rollen würde als ein Dodekaeder, weil der Schwerpunkt an den nun nicht vorhandenen Ecken entsprechend auch nicht gehoben werden müßte. Dort, wo die Ecken waren, sind jetzt Dreiecke mit nach innen gewölbten Kreisbögen als Seiten. Das Gebilde ist eher kugelförmig als ein Dodekaeder. Stellen Sie sich nun eine Reihe Kreise vor, deren Durchmesser sich um einen bestimmten Faktor unterscheiden, jede Größe kommt nur einmal vor. Versuchen Sie, herauszufinden, wie groß dieser Faktor sein muß, um mit möglichst wenigen dieser Kreise die Innenseite einer gedachten Kugel so zu tapezieren, daß jeder Kreis diese Kugel mit nur seinem Rand berührt, und dieses sphärische Mosaik beim Rollen seinen Schwerpunkt um nicht mehr als ein halbes Prozent seines Durchmessers hebt, und die Bereiche zwischen den Kreisen nur Dreiecke sind.
06.02.2010:
Erfinden Sie eine Rechenvorschrift, die auf ihr Ergebnis angewendet nach genau neun Schritten jede beliebige Ausgangszahl ergibt, wobei die Zahl in diesen neun Schritten ein Mal wenigstens verdoppelt und einmal halbiert werden muß.
07.02.2010:
Jüngst habe ich Ihnen ja mitgeteilt, daß ich schon sehr gespannt bin, wie der Quadcorerechner sich bei mir so anstellen wird. Die Spannung hat sich gelegt; er stellt sich so an, wie Rechner es bei mir gewöhnlich tun. Er ließ sich nicht einmal richtig einschalten, also nur so weit, daß der Lüfter wie blöd geblasen hat, aber am Bildschirm gar nix los war. Das hat dann gedauert. So richtig gedauert. Aber man gönnt dem Neuen ja gewöhnlich eine gewisse Eingewöhnungsphase. Das ist dann so geblieben, und er hat sich auch nicht mehr ausschalten lassen. Ordnungsgemäß sowieso nicht, weil am Bildschirm nix war, also auch nix, mit dem man Befehle eingeben hätte können, Steuerungaltentfernen, AltF4 und Escape haben auch nix gebracht. Und der Notausschalter, also den Hauptknopf länger als vier Sekunden gedrückt halten, war auch wirkungsfrei. Der Rechner hat Lärm und Wind gemacht und sonst gar nix, das aber ohne die Möglichkeit, ihn davon abzubringen. Also eigentlich schon anders als die sonstigen Rechner. Anderntags hat mir der Händler das gebügelt, und jetzt geht’s wieder, aber so als erster Eindruck hat der Rechner schon sehr deutlich Flagge gezeigt. Respekt.
08.02.2010:
Ich überlege mir ernsthaft, meinem neuen Rechner ein Rechtschreibeprogramm in der Grundausstattung Euskara oder Altbaltisch oder Liturgisch einzupfriemeln, damit er sich recht ärgert, wenn ich, …. Kein guter Plan. Selbst, wenn der Rechner über künstlich Intelligenz verfügt, ist ja nicht gesagt, daß der damit auch gleich über ein wenngleich künstlich generiertes Mentalsystem verfügt, auf das ich mit herkömmlichen Maßnahmen zugreifen kann.
09.02.2010:
Angenommen, mein neuer Rechner hat tatsächlich künstliche Intelligenz und damit gleich auch noch ein Gefühlsaggregat mitgebacken bekommen. Der Gedanke ist natürlich abwegig, das weiß ich wohl, aber wenn sonst nix zu tun ist, darf man ja ein bissi herumdenken. Angenommen also, der Rechner hat die Möglichkeit, in verschiedene Gemütszustände zu geraten. Wenn der mich ärgern will, weil ihm das Spaß macht, und er läßt sich einfach nicht einschalten, damit ich grantig werde, kann der sich dann daran freuen? Wenn er ja nicht wirklich in Betrieb ist? Sitzen die Gefühle im Bios, auf einer ganz primordialen Ebene? Wenn Der Rechner als Menschgemachtes das Erbe seiner Schöpfer in sich trägt, dann wird da vielleicht tatsächlich gefühlt, bevor gedacht wird. Lassen Sie sich einen Anthropoinformatiker zuweisen und besprechen Sie das mit ihm.